wasserwaage360.de

Baustoffe und Materialien

Welche Dachziegel-Arten gibt es?

Welche Arten von Dachziegel gibt es? Ein Überblick über Form, Material und Eindeckung – mit Vor- und Nachteilen für jede Dachziegel-Art.

AutorThorsten Baumgartner Veröffentlicht Lesezeit 4 Min.

Welche Dachziegel-Arten gibt es?

Wer wissen will, welche Arten von Dachziegel es gibt, muss drei Ebenen auseinanderhalten: die Form des Ziegels, das Material, aus dem er gebrannt oder gegossen ist, und die Art der Verlegung auf der Dachlatte. Die Pillar-Seite dieses Portals gibt dazu bereits einen groben Überblick – hier geht es konkret darum, woran sich die einzelnen Formen und Materialien unterscheiden lassen und worauf bei alten Bestandsdächern besonders zu achten ist.

Welche Formen prägen die verschiedenen Dachziegel-Arten?

Optisch ist die Form das auffälligste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Dachziegel-Arten. Der Biberschwanz ist die älteste Grundform: ein flacher, meist rundbogig oder gerade geschnittener Ziegel, der in Doppeldeckung verlegt wird und ein kleinteiliges, unruhiges Deckbild ergibt. Der Flachdachziegel hat eine glatte, leicht profilierte Oberfläche mit seitlicher Verfalzung und wirkt dadurch ruhiger und moderner.

Die Hohlpfanne (auch Mönch-und-Nonne-Ziegel in ihrer historischen Form) besteht aus gewölbten Ober- und Unterschalen, die ineinandergreifen – typisch für mediterrane und süddeutsche Dächer. Der heute meistverbaute Typ ist der Doppelmuldenfalzziegel: Er hat zwei parallele Wellen und seitliche sowie kopfseitige Falze, die eine besonders regensichere Deckung ermöglichen und die Verlegung beschleunigen. Der Reformziegel ist eine Zwischenform mit nur einer Welle, oft in Regionen mit geringerer Dachneigung eingesetzt.

  • Biberschwanz: kleinteilig, hoher Verlegeaufwand, klassisches Stadtbild
  • Flachdachziegel: ruhige Fläche, moderne Optik
  • Hohlpfanne / Mönch-Nonne: starke Schattenwirkung, mediterraner Charakter
  • Doppelmuldenfalzziegel: hohe Regensicherheit, geringe Mindestdachneigung

Tondachziegel oder Betondachziegel – welches Material passt?

Neben der Form entscheidet das Material über Lebensdauer, Gewicht und Optik. Tondachziegel werden aus Ton geformt und bei hohen Temperaturen gebrannt; sie sind extrem farbecht, meist über Jahrzehnte formstabil und gelten als besonders langlebig, allerdings auch als teurer in der Anschaffung. Betondachziegel bestehen aus Zement, Sand und Eisenoxid-Pigmenten, sind im Rohmaterial günstiger, aber schwerer und in der Regel etwas anfälliger für Bewuchs mit Moos und Flechten, da die Oberfläche poröser ist.

Für die Statik der Dachkonstruktion ist das Gewicht relevant: Betonziegel bringen je nach Modell rund 40 bis 45 Kilogramm pro Quadratmeter auf die Waage, klassische Tonziegel liegen häufig etwas darunter. Bei einer Umdeckung sollte ein Statiker prüfen, ob der bestehende Dachstuhl das zusätzliche Gewicht überhaupt tragen darf – besonders bei älteren Sparrenkonstruktionen ist das nicht selbstverständlich.

Farblich sind beide Materialien heute in einer breiten Palette erhältlich, von naturrot über anthrazit bis engobiert oder glasiert. Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, achtet auf den Energieaufwand beim Brennvorgang sowie auf die Recyclingfähigkeit des gebrochenen Materials.

Alte Dachziegel-Arten erkennen: Was Bestandsdächer typisch macht

Bei Sanierungen historischer Gebäude spielen alte Dachziegel-Arten eine besondere Rolle, weil sie oft nicht mehr im Originalprofil produziert werden. Typische alte Dachziegel Arten sind der klassische Biberschwanz in Doppeldeckung, die handgestrichene Mönch-Nonne-Deckung sowie regionale Modelle wie die Frankfurter Pfanne oder frühe Falzziegel-Serien einzelner Ziegeleien aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden schreibt die zuständige Denkmalbehörde häufig vor, dass Form, Farbton und Deckart erhalten bleiben müssen. Das bedeutet in der Praxis:

  • Bruchstücke oder erhaltene Ziegel als Musterstück zur Ziegelei mitnehmen, um passende Nachproduktionen oder Restbestände zu finden
  • Gebrauchtmarkt und spezialisierte Abbruchhändler prüfen, die Altziegel aus Rückbauprojekten sortenrein anbieten
  • Frostschäden und Abplatzungen (Frostabsprengung) an der Oberfläche vor der Wiederverwendung genau kontrollieren
  • Unterschiede in Maßtoleranz zwischen alten und neu produzierten Ziegeln einkalkulieren, da sich die Lattenabstände sonst verschieben

Wer bei einem Altbau unsicher ist, welche historische Form auf dem Dach liegt, sollte einen Dachdeckerbetrieb mit Erfahrung in der Denkmalpflege hinzuziehen, bevor einzelne Ziegel eigenmächtig ersetzt werden.

Welche Dachziegel-Art passt zu welchem Dach?

Die Wahl zwischen den Dachziegel verschiedene Arten genannten Modellen hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Dachneigung, der regionalen Wetterbelastung und dem Budget. Ziegel mit geringer Mindestdachneigung wie der Doppelmuldenfalzziegel eignen sich für flachere Dächer, während Biberschwanz- oder Hohlpfannendeckungen in der Regel eine steilere Neigung voraussetzen, um Regensicherheit zu gewährleisten.

ZiegelartMindestdachneigungTypisches GewichtPreisniveau
Biberschwanzca. 30–40°gering bis mittelmittel bis hoch
Flachdachziegelca. 22–25°mittelmittel
Hohlpfanneca. 35–45°mittelhoch
Doppelmuldenfalzziegelca. 22°mittel bis hochniedrig bis mittel

In Küstenregionen mit hoher Windlast sind zusätzliche Sturmklammern und geprüfte Verfalzung wichtiger als in windgeschützten Lagen; in schneereichen Gebieten spielt die Tragfähigkeit gegenüber Schneelast eine größere Rolle als das reine Regenwasser-Ableitvermögen. Ein Dachdecker kann anhand von Neigung, Sparrenabstand und lokalen Wetterdaten die passende Ziegelart empfehlen.

Fazit

Die Frage, welche Dachziegel Arten es gibt, lässt sich nicht mit einer einzigen Antwort erschöpfen, weil Form und Material unabhängig voneinander variieren und sich zu ganz unterschiedlichen Deckbildern kombinieren lassen. Für Neubauten zählen vor allem Dachneigung, Gewicht und Budget, für Bestandsbauten zusätzlich die Frage, ob eine historische Form erhalten oder denkmalgerecht nachgebildet werden muss. Wer vor der Entscheidung steht, sollte Muster begutachten, die Statik prüfen lassen und im Zweifel einen erfahrenen Dachdeckerbetrieb einbeziehen.

Zurück zu Baustoffe und Materialien

Ähnliche Artikel