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Historische Dachziegel-Arten

Alte Dachziegel-Arten wie Biberschwanz oder Mönch-und-Nonne verraten das Baujahr eines Hauses – hier erfahren Sie, wie Sie sie erkennen und bewerten.

AutorMarkus Hoffmann Veröffentlicht Lesezeit 3 Min.

Historische Dachziegel-Arten

Wer ein altes Haus saniert oder ein Dach neu deckt, stößt schnell auf die Frage, welche alten Dachziegel-Arten tatsächlich verbaut wurden und woran man sie erkennt. Die Antwort liegt in Form, Herstellungsweise und Verlegetechnik: Jede historische Bauzeit hat ihre eigenen typischen Profile hinterlassen, die sich bis heute am Dach ablesen lassen.

Welche alten Dachziegel-Arten kommen an historischen Häusern vor?

Am häufigsten begegnet man dem Biberschwanzziegel, einem flachen, meist rundbogig oder gerade abgeschnittenen Ziegel, der in Deutschland seit dem Mittelalter in Doppel- oder Kronendeckung verlegt wurde. Daneben findet sich der Mönch-und-Nonne-Ziegel, ein rundes, konisches Paar aus einer nach oben und einer nach unten gewölbten Ziegelform, das vor allem im süddeutschen und mediterranen Raum verbreitet ist.

Weitere klassische Dachziegelarten sind:

  • Krempziegel – flach mit hochgezogenen Seitenrändern, Vorläufer des modernen Falzziegels.
  • Flachdachpfannen ohne Falz – frühe Massenprodukte des 19. Jahrhunderts, oft mit einfacher Nase zum Einhängen.
  • S-Pfannen – seit Ende des 19. Jahrhunderts als leichtere Alternative zu Mönch und Nonne, in einem Stück gepresst.

Jede dieser alten Dachziegel Arten hat eine charakteristische Silhouette, die schon aus der Ferne Hinweise auf das ungefähre Baujahr des Dachs gibt.

Material und Herstellung: Was diese Ziegel so widerstandsfähig macht

Beim Material historischer Dachziegel dominiert gebrannter Ton, meist aus lokal abgebautem Lehm ohne die heute üblichen Zusatzstoffe. Vor der Industrialisierung wurden die Rohlinge von Hand in Holzformen gestrichen, was zu leicht unregelmäßigen Kanten und einer unverwechselbaren, warmen Farbgebung führt.

Ab etwa 1880 setzten sich strangepresste Ziegel durch, die gleichmäßiger und dichter ausfielen. Der Brand erfolgte in Feldbrand- oder Ringöfen bei Temperaturen um 900 bis 1000 Grad, wodurch die Oberfläche eine natürliche, oft leicht raue Sinterhaut erhielt. Diese ältere Brenntechnik erklärt, warum historische Ziegel häufig eine dickere Wandstärke und höheres Gewicht haben als moderne Produkte – ein Umstand, der bei der statischen Bewertung eines Dachstuhls unbedingt berücksichtigt werden muss.

Glasuren kamen regional unterschiedlich zum Einsatz: schwarz-grün glasierte Biberschwänze etwa waren im norddeutschen Raum als Schmuckelement an First und Traufe beliebt, während einfache Landziegel meist unglasiert blieben.

Woran erkennt man das Alter und die genaue Dachziegelart?

Um eine vorhandene Deckung einzuordnen, lohnt sich der Blick auf mehrere Merkmale gleichzeitig, nicht nur auf die Form allein:

  • Oberfläche und Kante: handgestrichene Ziegel zeigen leichte Wellen und Fingerabdrücke, maschinell gepresste sind gerade und gleichmäßig.
  • Herstellerstempel: viele Ziegeleien prägten ab dem späten 19. Jahrhundert Namen oder Ortsangaben auf die Unterseite.
  • Verlegeart: Doppeldeckung, Kronendeckung oder Verschieben in halber Ziegelbreite geben Hinweise auf die Epoche der Eindeckung.
  • Farbschwankungen: unregelmäßiger Feldbrand erzeugt Farbnuancen von Ziegel zu Ziegel, industrielle Produktion ist deutlich einheitlicher.

Bei unsicherer Zuordnung hilft ein Dachdecker mit Erfahrung im Bestandsbau oder eine Anfrage bei der zuständigen Denkmalbehörde, besonders wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht und beim Austausch die ursprüngliche Dachziegelart erhalten bleiben muss.

Zustand prüfen: Wann alte Ziegel ausgetauscht werden müssen

Historische Dachziegel können bei guter Pflege viele Jahrzehnte, teils über hundert Jahre, halten. Entscheidend ist aber der Einzelzustand, nicht das Alter allein. Folgende Anzeichen sprechen für einen baldigen Austausch einzelner Ziegel oder ganzer Flächen:

  • Feine Haarrisse, die sich bei Frost zu durchgehenden Sprüngen erweitern.
  • Abplatzende Sinterhaut, wodurch Wasser tiefer in den Scherben eindringt.
  • Moos- und Flechtenbewuchs, der Feuchtigkeit dauerhaft speichert und den Ton porös macht.
  • Verrutschte oder fehlende Ziegel nach Sturm, die auf gealterte oder gebrochene Verlattung hinweisen.

Eine Prüfung vom Boden aus per Fernglas oder besser vom Gerüst genügt für einen ersten Eindruck, eine belastbare Beurteilung der Tragfähigkeit der Lattung und eventueller Unterspannbahn gehört jedoch in die Hände eines Dachdeckerbetriebs. Wer selbst auf das Dach steigt, benötigt zwingend Anseilschutz, trittsichere Dachleitern und rutschfestes Schuhwerk, da alte Ziegel unter punktueller Belastung leicht brechen.

Fazit

Alte Dachziegel-Arten lassen sich anhand von Form, Oberflächenstruktur, Verlegeart und gegebenenfalls Herstellerstempel recht sicher bestimmen. Wer Material und Bauzeit richtig einordnet, kann bei Reparaturen passende Ersatzziegel finden und unnötige Eingriffe in ein denkmalgeschütztes Erscheinungsbild vermeiden. Für die abschließende statische und handwerkliche Bewertung bleibt der Fachbetrieb der sicherste Ansprechpartner.

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