Dachziegel-Arten im Überblick
Dachziegel-Arten unterscheiden sich nach Material, Form und Gewicht – hier erfahren Sie, welche Ziegel zu welchem Dach und welcher Bauzeit passen.
AutorAnja Lindemann Veröffentlicht Lesezeit 6 Min.
Wer sich mit Dachziegel-Arten beschäftigt, stößt schnell auf eine verwirrende Vielfalt aus Fachbegriffen: Biberschwanz, Frankfurter Pfanne, Reformziegel, Mönch und Nonne. Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Arten von Dachziegeln nach zwei Kriterien ordnen – dem Material, aus dem sie gebrannt oder gegossen sind, und der Form, die bestimmt, wie sie verlegt werden und welche Dachneigung sie benötigen. Dieser Artikel geht gezielt auf diese Unterscheidungsmerkmale ein und zeigt, woran man ältere Ziegeltypen erkennt und welche Art zu welchem Dach passt.
Dachziegel-Arten nach Material: Ton, Beton und Alternativen
Beim Material der Dachziegel dominieren zwei Werkstoffe den deutschen Markt: gebrannter Ton und Beton. Tondachziegel entstehen aus Lehm oder Ton, der bei etwa 1000 °C gebrannt wird und dadurch eine sehr hohe Formstabilität sowie eine charakteristische, meist rötliche bis erdige Farbgebung erhält, die je nach Engobe oder Glasur variiert. Sie wiegen im Schnitt zwischen 40 und 50 Kilogramm pro Quadratmeter Dachfläche und gelten als besonders langlebig, oft mit Nutzungsdauern von 60 Jahren und mehr.
Betondachziegel werden dagegen aus Zement, Sand und Wasser im Strangpressverfahren hergestellt und anschließend durch Einfärbung in der Masse oder eine Oberflächenbeschichtung optisch an Tonziegel angeglichen. Sie sind meist etwas schwerer, häufig 45 bis 50 Kilogramm pro Quadratmeter, dafür in der Anschaffung günstiger und maßhaltiger, da die Fertigung industriell stärker standardisiert ist. Für die Statik des Dachstuhls macht der Unterschied selten den entscheidenden Ausschlag, wohl aber bei der Farbbeständigkeit: Tonziegel verlieren ihre Farbe über Jahrzehnte kaum, während beschichtete Betonziegel nach langer Bewitterung nachdunkeln oder ausbleichen können.
Als Alternativen zu den klassischen Materialien kommen bei einer Dachsanierung gelegentlich Faserzementplatten, Naturschiefer oder Metalldeckungen ins Spiel. Sie zählen streng genommen nicht zu den Dachziegeln im engeren Sinn, werden aber bei der Materialwahl oft mitverglichen, weil sie ähnliche Deckungsprinzipien nutzen und teils deutlich leichter sind – ein Vorteil bei alten Dachstühlen mit begrenzter Tragfähigkeit. Wer die Materialfrage für sein Dach klärt, sollte deshalb nicht nur Optik und Preis vergleichen, sondern auch das Gewicht pro Quadratmeter mit der zulässigen Dachlast abgleichen, die im Zweifel ein Statiker prüft.
Dachziegel-Arten nach Form: von Biberschwanz bis Flachdachziegel
Neben dem Material entscheidet die Form eines Ziegels darüber, wie er verlegt wird, wie viel Überdeckung nötig ist und wie hoch der Materialbedarf pro Quadratmeter ausfällt. Der Biberschwanz ist die älteste und einfachste Form: ein flacher, meist rund oder segmentbogenförmig zulaufender Ziegel, der in doppelter Deckung verlegt wird. Dadurch liegen an jeder Stelle des Dachs zwei bis drei Ziegellagen übereinander, was den Flächenbedarf erhöht und ein Gewicht von bis zu 75 Kilogramm pro Quadratmeter zur Folge haben kann.
Der Falzziegel löste den Biberschwanz im 20. Jahrhundert weitgehend ab, weil seine seitlichen und oberen Falze eine einfache Deckung ermöglichen: Die Ziegel greifen wie Puzzleteile ineinander, sodass nur eine Lage nötig ist. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem die Frankfurter Pfanne, der Flachdachziegel und der Reformziegel, auch Doppelmuldenziegel genannt, der zwei nebeneinanderliegende Wölbungen aufweist und dadurch eine hohe Wasserableitung erreicht.
Eine weitere klassische Form ist der Mönch-und-Nonne-Ziegel, ursprünglich aus dem mediterranen Raum stammend: halbrunde Rinnenziegel, die abwechselnd mit der offenen Seite nach oben (Nonne) und nach unten (Mönch) verlegt werden. Diese Deckung ist optisch markant, aber aufwendig in der Verlegung und wird in Deutschland vor allem bei Sanierungen historischer oder mediterran gestalteter Gebäude eingesetzt.
Für die Praxis bedeutet die Formvielfalt: Wer für sein Dach die passende Ziegelform sucht, muss neben Optik und Region auch die erforderliche Regeldachneigung beachten, die die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks für jede Ziegelform als Mindestwert vorgeben. Falzziegel erlauben in der Regel flachere Dächer ab etwa 22 bis 25 Grad, während Biberschwanz- und Mönch-Nonne-Deckungen häufig 30 Grad oder mehr voraussetzen, wenn keine zusätzliche Unterdeckung verlegt wird.
Alte Dachziegel-Arten erkennen: Was auf Bestandsdächern liegt
Bei der Sanierung von Altbauten trifft man häufig auf Dachziegel-Arten, die heute nicht mehr oder nur noch in Sonderfertigung produziert werden. Der Biberschwanz in seiner einfachsten, unglasierten Form gehört ebenso dazu wie handgestrichene Tonziegel mit leicht unregelmäßiger Oberfläche, die vor der industriellen Massenfertigung üblich waren. Auch frühe Falzziegel-Varianten aus den 1920er- bis 1950er-Jahren unterscheiden sich in Maß und Falzgeometrie oft von heutigen Normziegeln.
Wer solche alten Ziegel identifizieren will, sollte auf drei Merkmale achten: die Kantenform und Oberflächenstruktur, den charakteristischen Klang beim Anklopfen – gut gebrannte alte Tonziegel klingen hell und hart, mürbe oder rissige Exemplare dumpf – sowie eventuell vorhandene Herstellerstempel auf der Rückseite, die sich über Fachliteratur oder Dachdeckerbetriebe oft noch einem Zeitraum zuordnen lassen. Bei Gebäuden unter Denkmalschutz ist diese Zuordnung mehr als eine Fleißaufgabe: Die zuständige Denkmalbehörde verlangt bei einer Neueindeckung häufig eine möglichst originalgetreue Ziegelform, Farbe und Deckungsart, weshalb vor Beginn der Arbeiten eine Abstimmung mit der Behörde und gegebenenfalls eine Genehmigung erforderlich ist.
Ein praktisches Problem beim Austausch einzelner Ziegel auf einem alten Dach ist die fehlende Maßgleichheit zwischen historischen und aktuell produzierten Ziegeln. Selbst wenn ein Hersteller eine ähnliche Form anbietet, können geringe Abweichungen in Länge, Breite oder Falzhöhe dazu führen, dass neue Ziegel nicht sauber in den vorhandenen Verband passen und Undichtigkeiten entstehen. In solchen Fällen lohnt sich die Suche nach gebrauchten, originalen Ziegeln aus Abbruchbeständen oder eine Sonderanfertigung, die spezialisierte Ziegeleien für Sanierungsprojekte anbieten.
Ein weiteres Warnsignal beim Umgang mit alten Dachziegeln ist Frostschäden: Mikrorisse, abgeplatzte Ecken oder eine mehlig-poröse Oberfläche deuten darauf hin, dass Feuchtigkeit ins Material eingedrungen ist und beim Gefrieren die Struktur gesprengt hat. Solche Ziegel sollten vor der Wiederverwendung geprüft und im Zweifel ausgetauscht werden, da sie die Dichtigkeit der gesamten Fläche gefährden.
Welche Dachziegel-Art passt zu welchem Dach?
Die Wahl zwischen den verschiedenen Arten von Dachziegeln hängt in der Praxis von drei Faktoren ab: der vorhandenen Dachneigung, der Tragfähigkeit des Dachstuhls und regionalen beziehungsweise gestalterischen Vorgaben. Bei sehr flachen Dächern unter der jeweiligen Regeldachneigung ist grundsätzlich eine zusätzliche, regensichere Unterdeckung oder Unterspannbahn nach den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks vorgeschrieben, unabhängig davon, welche Ziegelform gewählt wird.
Für die Tragfähigkeit gilt: Je schwerer die Ziegelart, desto genauer muss der Dachstuhl vorher geprüft werden. Bei einem Wechsel von einer leichten Falzziegeldeckung zu einer schwereren doppelten Biberschwanzdeckung – etwa aus optischen Gründen bei einer Sanierung – kann die zusätzliche Last mehrere hundert Kilogramm pro Dachseite ausmachen. Eine solche Änderung ist keine reine Geschmacksfrage, sondern erfordert eine statische Nachrechnung durch einen Tragwerksplaner, bevor der Dachdecker mit der Neueindeckung beginnt.
Regionale Bauvorschriften und Ortssatzungen spielen ebenfalls eine Rolle: In vielen historischen Ortskernen oder Gebieten mit Gestaltungssatzung ist die zulässige Dachziegel-Art, Farbe und teils sogar die Deckungsart konkret vorgeschrieben, um ein einheitliches Ortsbild zu erhalten. Vor dem Kauf neuer Ziegel lohnt sich deshalb ein Blick in den Bebauungsplan oder eine Nachfrage beim Bauamt, um spätere Auflagen oder einen nachträglichen Rückbau zu vermeiden.
Als grobe Orientierung lässt sich festhalten:
- Steile, traditionelle Dächer (ab etwa 30 Grad): Biberschwanz oder Mönch-Nonne, oft in Kombination mit Denkmalschutzauflagen.
- Standard-Satteldächer (25 bis 45 Grad): Falzziegel wie Frankfurter Pfanne oder Reformziegel, das mit Abstand häufigste Segment im Neubau.
- Flache bis mittelsteile Dächer (unter 25 Grad): Flachdachziegel mit zusätzlicher Unterdeckung, alternativ alternative Deckungsmaterialien prüfen.
Diese Einteilung ersetzt keine Einzelfallprüfung, gibt aber einen realistischen Rahmen dafür, in welche Richtung die Suche bei einer konkreten Bauaufgabe gehen sollte.
Fazit
Die Unterscheidung der Dachziegel-Arten läuft letztlich immer auf dieselben zwei Fragen hinaus: Aus welchem Material soll der Ziegel bestehen, und welche Form passt zur Dachneigung sowie zur Tragfähigkeit des Dachstuhls? Bei Bestandsbauten kommt die Frage nach der ursprünglichen, oft historischen Ziegelform hinzu, die bei Sanierungen unter Denkmalschutz zur Pflicht werden kann. Wer diese Kriterien vor dem Ziegelkauf klärt und im Zweifel Statiker, Dachdecker und gegebenenfalls die Denkmalbehörde einbindet, vermeidet teure Fehlentscheidungen und findet die Ziegelart, die tatsächlich zum eigenen Dach passt.