Historische Dachziegel-Sorten
Historische Dachziegel Arten prägen alte Dächer – ein Überblick zu Formen, Materialien und Merkmalen von Biberschwanz bis Mönch-Nonne-Ziegel.
AutorFrank Wittmann Veröffentlicht Lesezeit 4 Min.
Wer ein altes Haus saniert oder ein Baudenkmal begutachtet, stößt schnell auf die Frage, welche historischen Dachziegel Arten es überhaupt gibt und woran man sie erkennt. Während der allgemeine Überblick zu Dachziegel Arten alle gängigen Formen von der Antike bis zur Gegenwart einordnet, geht es hier gezielt um die traditionellen, meist handgefertigten Sorten, die das Bild alter Dächer vor der Massenfertigung geprägt haben. Wer diese alten Dachziegel-Arten kennt, kann Baualter, Herkunft und Sanierungsbedarf eines Daches oft schon vom Boden aus grob einschätzen.
Welche Formen zählen zu den historischen Dachziegeln?
Die bekannteste unter den alten Dachziegel Arten ist der Biberschwanz, ein flacher, meist handgestrichener Ziegel von rund 40 x 17 Zentimetern mit gerundetem, spitzem oder geradem Fußende. Er wurde in Doppel- oder Kronendeckung verlegt und ist typisch für Fachwerk- und Bürgerhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Im süddeutschen und alpinen Raum dominierte lange die zweiteilige Mönch-und-Nonne-Deckung: halbrunde Rinnenziegel (Nonnen) und darüber liegende Deckziegel (Mönche), meist 40 bis 45 Zentimeter lang. Diese Bauart stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum und wurde von dort übernommen.
Weitere historische Formen sind der Krempziegel und die frühen Hohlpfannen, Vorläufer der späteren Falzziegel. Erst ab dem 19. Jahrhundert kamen mit der industriellen Ziegelpresse die ersten Falz- und S-Pfannen auf, die eine einfachere, dichtere Verlegung ermöglichten und die handgestrichenen Formen allmählich verdrängten.
Dachziegel Arten Material: Ton, Schiefer oder schon Beton?
Das klassische Material historischer Dachziegel war gebrannter Ton. Handstrichziegel wurden aus lokalem Lehm geformt, luftgetrocknet und in Feldbrandöfen oder später in Ringöfen bei rund 900 bis 1000 Grad gebrannt. Die uneinheitliche Brenntemperatur erklärt die typischen Farbschwankungen zwischen Orange, Rotbraun und fast Violett, die maschinell gefertigte Ziegel meist nicht zeigen.
In Regionen mit entsprechendem Gestein, etwa im Rheinland oder in Teilen Süddeutschlands, wurde stattdessen Naturschiefer verwendet, oft in Form kleiner, rautenförmiger Platten. Schiefer ist kein Ziegel im eigentlichen Sinn, wird aber bei der Beurteilung historischer Dacheindeckungen fast immer mitgenannt, weil er dieselbe Funktion erfüllt und ähnlich alt in der Anwendung ist.
Betondachsteine als Material für Dachziegel Arten kamen erst ab den 1920er- und verstärkt ab den 1950er-Jahren auf und zählen daher nicht zu den historischen Sorten. Wer einen Betonstein auf einem angeblich jahrhundertealten Dach findet, hat es fast immer mit einer späteren Neueindeckung zu tun.
Woran erkennt man historische Dachziegel-Arten am Gebäude?
Mehrere Merkmale helfen, echte alte Dachziegel Arten von modernen Nachbauten zu unterscheiden:
- Handstrichspuren: leicht wellige Oberfläche und ungleichmäßige Kanten statt exakt gepresster Geometrie.
- Format: historische Ziegel sind oft kleiner und leichter als heutige Normziegel, da frühere Brennöfen größere Formate nicht zuverlässig durchbrannten.
- Patina und Bewuchs: Flechten, Moos und Kalkausblühungen sprechen für ein Alter von mehreren Jahrzehnten, sofern sie gleichmäßig über die Fläche verteilt sind.
- Verlegemuster: Kronen- oder Doppeldeckung bei Biberschwanzziegeln sowie die Rinnen-Deckziegel-Kombination bei Mönch-und-Nonne-Dächern sind bei modernen Falzziegeln so nicht mehr üblich.
Regional gibt es zudem typische Zuordnungen: Biberschwanz dominiert in Mittel- und Norddeutschland, Mönch-Nonne im Süden, Schiefer im Westen. Diese Verteilung hilft bei der groben Einordnung, ersetzt aber keine genaue Bauzeitbestimmung durch eine Fachperson.
Zustand prüfen und Sanierung: Worauf bei alten Dachziegeln achten?
Historische Tonziegel sind oft porös gebrannt und daher besonders frostanfällig. Ein einfacher erster Check ist das vorsichtige Abklopfen einzelner Ziegel: Ein heller, klarer Ton deutet auf intakte Substanz hin, ein dumpfes oder hohles Geräusch auf Risse oder beginnende Absandung.
Vor jeder größeren Maßnahme lohnt der Blick ins Denkmalschutzrecht der jeweiligen Gemeinde, da bei geschützten Gebäuden häufig nur bestimmte, dem Original entsprechende Dachziegel Arten wieder verwendet werden dürfen. Passende Altziegel lassen sich über spezialisierte Abbruch- und Altbaumaterial-Händler beschaffen, alternativ bieten manche Hersteller originalgetreue Nachbauten historischer Formate an.
Das Begehen und Eindecken eines Altbau-Dachs gehört grundsätzlich in die Hände einer Dachdeckerfachkraft: Die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion, die korrekte Lattung für historische Formate und die Absturzsicherung nach den einschlägigen Arbeitsschutzvorgaben lassen sich ohne Fachwissen und geeignete persönliche Schutzausrüstung kaum sicher beurteilen. Als Eigentümer sinnvoll ist dagegen die regelmäßige Sichtkontrolle vom Boden aus, etwa mit einem Fernglas, um lose, verrutschte oder gerissene Ziegel frühzeitig zu erkennen, bevor Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion eindringt.
Fazit
Die wichtigsten historischen Dachziegel Arten lassen sich anhand von Form, Material und Verlegeart recht sicher unterscheiden: Biberschwanz und Mönch-Nonne aus gebranntem Ton bilden den Kern, ergänzt durch regionale Schiefervarianten. Wer Handstrichspuren, kleinere Formate und typische Verlegemuster erkennt, kann das ungefähre Baualter eines Dachs einschätzen – die endgültige Bewertung und jede Sanierungsmaßnahme gehören jedoch in fachkundige Hände.