Material und Arten von Dachziegeln
Dachziegel-Arten und Material im Überblick: Ton, Beton, Schiefer & Co. im Vergleich – Eigenschaften, Lebensdauer und Einsatzgebiete verständlich erklärt.
AutorAnja Lindemann Veröffentlicht Lesezeit 3 Min.
Bei Dachziegeln entscheidet vor allem das Material über Lebensdauer, Gewicht, Preis und Optik des Daches. Während die grundlegenden Unterschiede zwischen Dachziegel-Arten und Material bereits im allgemeinen Ratgeber zum Thema erklärt werden, geht es hier gezielt darum, welche Werkstoffe existieren, wie sie sich unterscheiden und welche historischen Varianten bei der Sanierung eine Rolle spielen.
Tondachziegel – das klassische Material
Tondachziegel werden aus natürlichem Ton geformt und bei Temperaturen von über 1000 Grad Celsius gebrannt. Durch diesen Brennprozess entsteht ein sehr formstabiles, witterungsbeständiges Material, das seit Jahrhunderten zu den bevorzugten Dachziegel-Arten zählt.
Je nach Brennführung und Oberflächenbehandlung unterscheidet man naturrote, engobierte und glasierte Ziegel. Engoben sind dünne, eingebrannte Farbschichten, glasierte Ziegel erhalten zusätzlich eine glasartige, besonders wasserabweisende Oberfläche. Unbehandelte Tonziegel nehmen etwas mehr Feuchtigkeit auf, sind dafür aber sehr diffusionsoffen.
- Lebensdauer: häufig 80 bis über 100 Jahre bei fachgerechter Verlegung
- Gewicht: je nach Ziegeltyp etwa 40 bis 55 kg/m²
- Norm: Qualität und Prüfverfahren regelt DIN EN 1304
Tonziegel gelten als besonders farbecht, da die Farbe durch den Brennvorgang dauerhaft im Material verankert ist und nicht nur aufgetragen wird.
Betondachziegel – die kostengünstige Alternative
Betondachziegel bestehen aus Zement, Sand, Wasser und mineralischen Farbpigmenten. Sie werden nicht gebrannt, sondern unter hohem Druck gepresst und anschließend ausgehärtet, was die Herstellung günstiger macht als bei gebrannten Ziegeln.
Die Farbe wird entweder in die Betonmasse eingemischt oder als Beschichtung aufgetragen. Beschichtete Varianten wirken zunächst intensiver, verlieren die Farbtiefe durch UV-Einstrahlung und Witterung jedoch schneller als durchgefärbte Ziegel.
- Lebensdauer: etwa 30 bis 40 Jahre, danach oft optische Alterung sichtbar
- Gewicht: meist etwas höher als bei Tonziegeln, relevant für die Dachstatik
- Norm: Anforderungen sind in DIN EN 490 festgelegt
Vor dem Einsatz von Betondachziegeln sollte immer geprüft werden, ob die vorhandene Dachkonstruktion die zusätzliche Last dauerhaft tragen kann – besonders bei älteren Sparrenkonstruktionen ein wichtiger Punkt.
Alte Dachziegel-Arten: Schiefer, Naturstein und Holzschindeln
Bei der Sanierung historischer Gebäude spielen alte Dachziegel-Arten und traditionelle Materialien eine besondere Rolle, vor allem wenn Denkmalschutzauflagen bestehen. Schiefer, ein feinschichtiges Naturgestein, wurde besonders in Mittelgebirgsregionen verwendet und gilt als sehr langlebig, dafür aber schwer und in der Verarbeitung anspruchsvoll.
Auch andere Natursteine kamen regional zum Einsatz, ebenso wie Holzschindeln aus Fichte oder Lärche, die vor allem im alpinen Raum verbreitet waren. Sie sind leicht, aber pflegeintensiv und müssen regelmäßig imprägniert oder ausgetauscht werden.
- Schiefer: sehr hohe Lebensdauer, hohes Gewicht, hoher Materialpreis
- Naturstein: regional unterschiedlich, meist sehr schwer
- Holzschindeln: geringes Gewicht, begrenzte Lebensdauer, hoher Pflegeaufwand
Wer bei einer Sanierung historische Optik erhalten möchte, findet zudem einen Markt für originalgetreu nachgefertigte oder gebrauchte Ziegel, die dem alten Erscheinungsbild entsprechen, ohne auf moderne Fertigungsqualität zu verzichten.
Passt jede Form zu jedem Material?
Neben dem Werkstoff unterscheiden sich Dachziegel verschiedene Arten auch in ihrer Form – und diese Formgebung ist nicht beliebig mit jedem Material kombinierbar. Der klassische Biberschwanzziegel mit seiner runden oder gezackten Unterkante wird traditionell fast ausschließlich aus Ton gefertigt.
Falzziegel, bei denen Ziegel über seitliche Falze ineinandergreifen, gibt es dagegen sowohl aus Ton als auch aus Beton. Diese Verzahnung erhöht die Regensicherheit deutlich gegenüber einfach überlappenden Formen und ist heute bei Neubauten der Standard.
- Biberschwanzziegel: meist Ton, für steile Dächer, aufwendige Deckbilder
- Flachdachziegel: Ton oder Beton, ruhige, moderne Optik
- Falzziegel/Frankfurter Pfanne: Ton oder Beton, hohe Regensicherheit
- Mönch-und-Nonne-Ziegel: traditionell Ton, mediterrane Optik
Welche Form infrage kommt, hängt zusätzlich von der Dachneigung ab: Jede Ziegelform hat eine bauaufsichtlich festgelegte Mindestneigung, die in den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks nachzulesen ist. Wird diese unterschritten, ist eine zusätzliche Unterdeckung oder Unterdachbahn zwingend erforderlich.
Fazit: Material und Form gemeinsam betrachten
Die Wahl zwischen den verschiedenen Dachziegel-Arten und Material ist keine reine Geschmacksfrage, sondern hängt von Statik, Klima, Budget und gegebenenfalls Denkmalschutzauflagen ab. Tonziegel überzeugen durch Langlebigkeit und Farbechtheit, Betonziegel durch den günstigeren Preis, während historische Materialien wie Schiefer vor allem bei der originalgetreuen Sanierung gefragt sind.
Vor jeder endgültigen Entscheidung lohnt sich eine Rücksprache mit einem Dachdeckerbetrieb, der die Tragfähigkeit der bestehenden Dachkonstruktion prüft und passende Ziegelform sowie Material auf die konkrete Dachneigung abstimmt.